
Artists Statements
1.
Ich komme aus einer Bäckerfamilie. Das Kneten liegt mir im Blut. Ich komme aus dem Osten. Meine Heimat ist der Widerspruch. Ich bin (immernoch) katholisch. Ich weiß wie Erlösung geht. Irgendwo ist wieder ein Arbeiter gestorben, nachdem er in Rente gegangen ist. Entweder weil er die lange wegen Arbeit aufgesparte tödliche Erkrankung bekommen und ihr erlegen ist oder weil er einfach nicht wusste wie ohne Arbeit „ein schönes Rentenleben“ zu leben ist. Ohne Körper, der ja nun kaputt war. Halleluja!
2.
Ich sitze zwischen den Stühlen. Oder stehe. Manchmal muss ich auch liegen. Das Dazwischen – zwischen proletarischer Herkunft und akademischem Kontext, zwischen Anpassung und Abgrenzung, Autonomie und ostdeutschem Gruppeninstinkt, zwischen künstlerischer Freiheit und finanzieller Abhängigkeit USW. – ist Teil meiner Identität. Sie ist weniger Zustand als Haltung – der Ausgangspunkt, von dem aus ich denke, arbeite und die Welt lese.
3.
Meine Praxis umfasst Film, Animation, raum- und orts-, konfliktbezogene (Video)Installation, (soziale) Skulptur und zunehmend Performance. Die Wahl des Mediums ergibt sich aus der jeweiligen Fragestellung. Film/Animation in Kombination mit Installation sind wiederkehrende Werzeuge meiner Arbeit. Sie ermöglichen, die Komplexität von Erfahrungen auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu verhandeln. Das ist herausfordernd und macht Spaß. Leider braucht man für derartiges Arbeiten entweder Geld oder eine sehr gute Infrastruktur. Beides ist nicht leicht zugänglich.
4.
Ick rede wie mir der Schnabel jewachsen ist. Dabei fühl ick mich am wohlsten, am sichersten. Meistens tragick mein Herz dabei auf der Zunge. Irgendwann wollte mir mal een Professor meenen proletarischen Gossendialekt (Berlinerisch) austreiben, eben weil dit nicht jut kommt in der Hochkultur, zu vulgär. Ick habet echt versucht, Jott is meen Zeuge, aber denn hab ick nur noch druff jeachtet wie ick wat sage, nicht mehr wat ick eigentlich sage.
Natürlich kann ich, wenn ich will, auch Hochdeutsch sprechen. Ist eine Herausforderung, aber möglich. Kommt daruf an mit wem ich spreche.

Stipendien/Residenzen
2025 Ilse Augustin Stipendium
2025 Zeltplatzresidenz Spiekeroog
2022 Diplomstipendium der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
2019/2020 Deutschlandstipendium
Ausbildung
2026 Art in context, M.A., UDK Berlin
2022 Freie Kunst, Diplom mit Auszeichnung („Endziel Glückseligkeit), HBK Braunschweig
2011 Fachkraft für Psychosen
2007 Soziale Arbeit, Diplom („Die Hölle, das sind die Anderen“), KHSB Berlin

